Ein wundervolles Land. Hier lässt es sich wirklich angenehm leben. Man könnte es Epicuraea nennen. Und die Seine-Metropole dient mir immer wieder als Ort der Muße: Durch die Stadtviertel schlendern, den Gedanken nachhängen und hier und da kleine Bistros und Cafés besuchen - solche Tage sind ein echter Gewinn.
Untrennbar mit Paris verbunden sind für mich die geschichtsträchtigen alten Cafés. Das Café de Flore am Boulevard Sait-Germain hat noch seinen Charme bewahrt und verfügt über eine zusätzliche ruhige Etage im 1. Stock. Zwei Häuser weiter findet sich der große Saal des Deux Magots, mit seinen beiden holzgeschnitzten chinesischen Figuren und den gerahmten Erinnerungsfotos von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre an der Wand. Im angrenzenden Stadtteil Montparnasse liegen an der Kreuzung des Boulevards Raspail zwei andere berühmte Stätten: Das etwas altmodisch wirkende Le Dôme sowie das La Coupole; in letzterem kann man nicht nur die Beine lang ausstrecken sondern sitzt im verglasten Vorbau auch geschützt vor den Autoabgasen und dem Straßenlärm des Boulevards. 
Erwähnenswert sind außerdem die Räume des Laduree in der Nähe der Madeleine und unter den Pariser Hotels bildet sicherlich der Salon de Pompadour im Grand-Hotel Meurice den exklusivsten Ort zum Teetrinken. Aber auch sein für Nicht-Hotelgäste zugänglicher Palmengarten ist vom Allerfeinsten und kann beim erstmaligen Anblick durchaus den Atem verschlagen.
   
Doch so schön all diese Plätze auch sind - Teetrinken sollte man dort besser nicht! Denn Frankreich ist ein Land der Kaffeetrinker, das braucht man nicht zu betonen, und so ist der Teebeutel dort noch stärker vertreten als bei uns - leider auch in der gleichen bescheidenen Qualität. Loser Tee wird nur in speziellen Teesalons geboten. Eine Liste der interessantesten Salons de Thé ist mit ausführlichen Beschreibungen dem lesenswerten Buch vom Tee beigefügt, erschienen im Heyne Verlag.
    
Ein einzige Institution rechtfertigt es jedoch, daß man sich auch als Teetrinker in Paris wohlfühlen kann :



 

 

 

 

 


 

 

 

 

 


Mariage Frères

Bereits 1854 taten sich die Brüder Mariage zusammen und gründeten ein Teehandelshaus in Paris, welches ihre Großnichte noch bis zum Jahr 1983 in einer kleinen Seitenstraße des Marais fortführte. Dann wurde das Geschäft von zwei neuen Inhabern übernommen, die ausgesprochen viel Phantasie mitbrachten. Innerhalb kürzester Zeit machten sie Mariage Frères zu einem in der Branche weltweit bekannten Unternehmen.  

Heute bietet das Unternehmen so ziemlich alles, was sich des Teetrinkers Herz nur wünschen kann und zwei Besonderheiten machen einen Besuch vor Ort zu einem absoluten Erlebnis: Die mit viel Geschmack entworfene Einrichtung im Kolonialstil des vorletzten Jahrhunderts sowie die unglaubliche Möglichkeit, jeden der 220 im Angebot befindlichen Tees sowie weitere 180 Teemischungen im angeschlossenen Teesalon sogleich pro-bieren zu können. Hier haben die Inhaber wirklich ein kleines Gesamtkunstwerk geschaffen! Selbst für den anspruchsvollen Teetrinker gibt es hier nichts auszusetzen. Man verwendet Wasser dreierlei Temperaturgrade: Kochend für die Schwarztees, 85° für die Grünen und 70° für deren feinste. (Daß das Wasser nicht nach Chlor schmeckt, bedarf keiner Erwähnung, ist in anderen Teesalons der Metropole aber bei weitem nicht selbstverständlich.) Eine ausführliche und schön aufgemachte Teebroschüre gibt Informationen und beschreibt die einzelnen Teesorten.

Man verwendet Tee hier auf vielfältige Art: Mittags wird nobel gespeist mit Silberbesteck und monogrammgewirkter Tischeindeckung. Auf der Speisekarte finden sich - sujét oblige - z.B. eine Sauce Earl Grey an Hirschmedaillons und ein grellgrünes Mont-Fuji zum Nachtisch (ein Tee-Mousse aus japanischem Matcha, siehe Abbildung links).  Nachmittags bietet man leckerste Torten und Petit Four, ebenfalls mit Teearomen zubereitet, sowie mit Tee versetzte grünliche Madeleines und köstliche Scones, letztere noch ofenfrisch mit Butter und Marmelade, wobei die Marmeladen wieder aus konzentrierten Teeauszügen bestehen. Diese Gelées extra de thé werden täglich frisch hergestellt und sind eine wahre Sünde! Unübertrieben: La bonne vie!
Schmerzliche Konsequenz dieser Haute Cuisine ist jedoch, daß die Räumlichkeiten deshalb nur von ungefähr 15:00 - 19:00 als Teesalon dienen, für Teetrinker ein echter Wermutstropfen: Hier könnte man problemlos den ganzen Tag verbringen ...  

Die Inhaber sind nicht nur Tee-Pioniere sondern auch äußerst kreativ. Sie machten Grüntee in Frankreich Anfang der 80er Jahre erst populär und boten eine noch nie gekannte Sortenvielfalt; sie suchten in Fernost längst vergessene Teesorten und ließen die in Japan verwendeten klassischen Wasserkessel innen emaillieren - die Geburtsstunde der heute im Westen bekannten gußeisernen "japanischen Teekannen". Sie aromatisierten Backwerk, Schokolade und das Mittagessen, schufen sogar Räucherstäbchen mit Teearomen. Das gesamte Produktdesign liegt in ihren Händen, vom Firmenlogo über die Geschäftseinrichtung bis hin zu den Teedosen und  Reproduktionen historischer Teekannen kümmert man sich um alles selbst. Hier zelebriert man den Tee in jeder Form. 

In Paris betreiben Mariage Frères mittlerweile drei Geschäfte:

  • das Stammhaus in der Rue du Bourg-Tibourg, nahe dem Hôtel de Ville. Das Teemuseum im Obergeschoß mit Exponaten aus der Firmengeschichte ist dabei besonders sehenswert. Da die Räumlichkeiten recht beengt waren, wurden zwei weitere Räume unmittelbar angrenzend in der gleichen Straße eingerichtet; 
  • die Filiale in der Rue des Grands Augustins in Saint-Germain-des-Pres. Mit Abstand die schönsten Räumlichkeiten zum Teetrinken! Auch hier sind im Gewölbekeller noch Teekisten und einige schöne Stücke aus der Frühzeit des Teehandelshauses ausgestellt; 
  • die erst vor kurzem eröffnete Filiale am westlichen Ende der Rue Faubourg Saint-Honoré.

Ebenso üppig wie das Ambiente und Teeangebot hat Marriage Frères nun auch eine Publikation zur eigenen Firmengeschichte herausgegeben. Ein großformatiger Bildband im stoffbezogenen Schuber. Es macht Spaß, sich hier auf die Spuren dieser Firma zu begeben. 

(www.mariagefreres.com)

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