2009
Mondrian W. Graf v. Lüttichau


Geboren 1952. Aufgewachsen in Württemberg. Lagerarbeiter, Verkäufer, Skimonteur, Verlagsbuchhändler in Wuppertal-Elberfeld und Heidelberg.
Diplom-Sozialpädagoge in Berlin, Tätigkeit als Heilpädagoge, Soziotherapeut, Gestaltungstherapeut, in Psychiatrie und Sozialpsychiatrie.


     Die neue Buchausgabe "Die Sinnsprüche des Li Boyang, genannt Laotse" von Mondrian Graf von Lüttichau

Die sinnsprüche des li boyang, genannt laotse.
TAO TE KING ; dàodéjīng
Interpretierende nacherzählung.
Mit Buchschmuck und Farb-Faksimiles.
Verlag Das klassische China, Weinheim.
200 Seiten.
ISBN 978-3-9811148-3-6

"Seit jeher wollen sinologen und nichtsinologen den ursprünglichen sinn des Daodejing aus einer textvorlage rekonstruieren, die selbst ergebnis überlieferter abschriften und varianten ist. Dies ist bei einem sozialphilosophischen text wenig erfolgversprechend. Auch der eigene ideologische hintergrund verführte übersetzer und bearbeiter in ost und west dazu, götter, dunkle mächte und philosophische oder religiöse prinzipien hineinzufinden in den text des legendären autors. Konkrete gesellschaftspolitische aussagen werden demgegenüber in den meisten übertragungen esoterisch umschrieben, wenn nicht verdreht. 
          Die menschliche wahrnehmung und erfahrung ist ein vielfach verzweigter baum geworden; zur zeit des li boyang hatte der noch weit weniger äste, zweige, blüten und früchte. Dennoch können heutige soziale und politische konflikte zurückgeführt werden auf prozesse oder strukturen des menschlichen bewußt-seins, wie er sie reiner als jeder nach ihm beschrieben hat. Diese uralten sinnsprüche sind das früheste plädoyer für herrschaftslose achtsamkeit und gegen entfremdung von der ganzheit des lebens. Allerdings müssen wir die hinweise des Daodejing hinüberdenken in unsere sozialpsychologischen umstände.
          Die überlieferung des li boyang blieb bedeutsam in meinem leben. Als frühes mitglied der Grünen und sympathisant sensiblerer hausbesäzzer, als zeitgenosse von gorbaèov und osho, als heilpädagoge bei kognitiv beeinträchtigten und in begegnungen mit seelisch traumatisierten menschen konnte ich orientierung und überblick (jenseits unverzichtbarer analysen) immer neu aus dem Daodejing beziehen ...
          Eines der wunder menschlichen bewußtseins ist, wie diese sprüche seit über zwei jahrtausenden weitergegeben werden, zunächst mündlich, dann schriftlich, später als übertragungen in viele sprachen, - daß menschen aller völker und generationen das Daodejing für ihre jeweilige gegenwart in anspruch nehmen. Sämtliche bemühungen, den sinnsprüchen gerecht zu werden, tragen bei zu einer sprühenden, vieläugigen annäherung an TAO. Noch immer also wird weitergearbeitet am text; ich bin dankbar und froh, daß auch mein versuch beiträgt zu diesem vielleicht lebendigsten schriftwerk der menschheitsgeschichte."                                                      (Aus dem Nachwort)

Eine interessante Darlegung des chinesischen Klassikers für den, der zu differenzieren vermag zwischen dem philosophischen Gedankengut der Anarchie und den landläufigen Vorstellungen eines Anarchismus als bloßer gewalttätiger Unordnung. Vor dem Hintergrund der westlichen philosophischen Idealvorstellung der Anarchie (Anarchie von griech. ναρχία, „Herrschaftslosigkeit“) entwirft Mondrian Graf von Lüttichau eine im ersten Augenblick erstaunliche, bei genauerem Hinsehen aber sehr bedachte Auslegung der 81 Sinnsprüche des Tao Te King.
    
Im philosophischen Sinne steht Anarchie für eine Gesellschaftsform ohne lenkende Staatsgewalt; eine Gesellschaft freier Menschen ohne hierarchische Über- und Unterordnung, die ihre Konflikte gewaltlos löst. Genau dies entspricht den Kernaussagen des Tao Te King: Die Auflösung des staatlichen Überbaus und seines Machtpotentials, die Infragestellung der Herrschaft von Menschen über Menschen sowie die gewaltfreie Lösung von Konflikten für ein freies und selbstbestimmtes Leben.
So bietet die Textauslegung von Mondrian Graf von Lüttichau einen überraschend anderen Blick auf die Anliegen des chinesischen Klassikers.
Zugegeben: Anarchie ist ein philosophisches Ideal und zu uneigennützig und edel für die menschliche Wesensart. Doch wie so manch anderes Ideal kann sie als Leitbild für das eigene Verhalten dienen. Hierum geht es Mondrian von Lüttichau: Er verwirft die mitunter allzu verklärt-esoterischen Auslegungen und "erdet" die Sinnsprüche des Laotse durch den Bezug auf Möglichkeiten unseres heutigen persönlichen Handelns. Für den einen ist das ernüchternd, für den anderen der erhellende Fingerzeig auf die ungebrochene Aktualität des Klassikers im Hier und Jetzt.

Die Buchausgabe ist direkt beim Verlag für 5,00 € zu bestellen

     Die neue Buchausgabe "Die Sinnsprüche des Li Boyang, genannt Laotse" von Mondrian Graf von Lüttichau

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