2011
Wolfgang Kubin


(*17.12.1945 in Celle) Deutscher Sinologe und Übersetzer. Promotion 1973 über "Das lyrische Werk des Tu Mu (803-852)". Habilitation 1981 über "Die Entwicklung der Naturanschauung in der chinesischen Literatur". Professur in Bonn und dortige Tätigkeit seit 1985. Seine zehnbändige "Geschichte der chinesischen Literatur im 20. Jahrhundert" gilt als Standardwerk. Außerdem wurde er als Übersetzer moderner chinesischer Prosa und Lyrik bekannt, darunter vor allem mit den Erzählungen und Essays von Lu Xun.


 

Lao Zi (Laotse). Der Urtext.
Verlag Herder, Freiburg
127 Seiten. 
ISBN: 978-3-451-30502-3

  Copyright: Herder Verlag 2011

 

"Brauchen wir noch einen neuen Lao Zi, brauchen wir wirklich die mittlerweile 104. Übertragung? Ja, ich denke in gewisser Hinsicht schon, und zwar aus Gründen der »Entmythologisierung«. Lao Zi umgibt eine zu große Aura des Geheimnisvollen, die möglicherweise seiner überwältigenden Rezeption in deutschen Landen vorgearbeitet hat. Es ist daher vielleicht an der Zeit, ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
     Ich habe auf der Basis der einschlägigen Sekundärliteratur eine chinesische Fassung in Kurzzeichen zu erstellen versucht, die mir - so weit, wie das möglich war - stimmig erschien. ( ) Im Angesicht von 103 bereits bestehenden Übertragungen, wovon etwa ein halbes Dutzend vorzüglich zu nennen ist, kann mir keine neue Version gelingen, die alles Bisherige hinter sich lässt. Ich habe mich daher entschieden, möglichst einfach und nachvollziehbar vorzugehen."
                                                           (Aus der Einleitung von Wolfgang Kubin)

Der Herder Verlag ersetzt in seinem Buchprogramm die fragmentarische Daodejing-Bearbeitung von Linde von Keyerlingk aus dem Jahr 1979 endlich durch eine zwar andersgeartet fragmentarische, aber fachlich ungleich qualifiziertere Fassung von Prof. Dr. Wolfgang Kubin. Im zweiten Band seiner Reihe "Klassiker des chinesischen Denkens" wendet sich dieser der ältesten heute bekannten Daodejing-Textfassung zu, die aus der ersten Hälfte des 3 Jahrhunderts v.u.Z. stammt. Neben dem chinesischen Text (umgesetzt in heutige Kurzzeichen) und der phonetischen Pinyin-Umschrift bietet Wolfgang Kubin einen Kommentar zu seiner deutschen Übersetzung des Guodian-Textes, der nur 31 Stellen der späteren klassischen Daodejing-Fassung aufweist. Im Vorwort beleuchtet Kubin kurz einige Aspekte der Laozi-Legende nach heutigem Forschungsstand und macht klar, dass der Text des Daodejing wohl immer schon eine Art Lehrspruchsammlung war, die von den Mitgliedern taoistischer Schulen im Laufe der Jahrhunderte zusammengetragen wurde und als eine Art Fürstenspiegel für den Princeps und dessen Sohn diente. (Unverständlich bleibt, warum Kubin seiner qualifizierten Übersetzung die entsprechenden Textstellen von Richard Wilhelm aus dem Jahr 1978 beifügt.)
  

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