1962
Karl Gerhard Meier
(Pseud.: Jan Ulenbrook)

(*1909) bei Magdeburg geboren, studierte in Hamburg und Frankfurt am Main und beschäftigt sich seit fast fünfzig Jahren mit dem Japanischen und Chinesischen. Lehrer und Amateur-Sinologe. Von 1951 bis 1960 war er Lehrer in Hamburg, seitdem arbeitet er als freier Schriftsteller. Unter anderem gab er "Pflaumenblüte und verschneiter Bambus", chinesische Gedichte, und "Haiku", eine umfangreiche Sammlung japanischer Dreizeiler, heraus.

LAU DSE. DAU DÖ DJING 
Das Buch vom rechten Wege und von der rechten Gesinnung.
Ins Deutsche übertragen und mit einer wörtlichen Übersetzung,
einer Einleitung und Erläuterungen versehen von Jan Ulenbrook.
Carl Schünemann Verlag, Bremen. 248 Seiten.

Neuausgabe:

LAU DSE. DAU DÖ DJING
Mit einer wörtlichen Übersetzung, einer Einleitung und Erläuterungen versehen von Jan Ulenbrook.
Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt/M - Berlin 1980

"Die vorliegende Übersetzung des Dau Dö Djing folgt den beiden Textfassungen, die nach chinesischer Überlieferung als die ältesten gelten: nämlich der von Ho-schang-gung (um 170 v. Chr.?) und der von Wang Bi. Die dem Ho-schang-gung zugeschriebene Einteilung des gesamten Textes in zwei Bücher und einundachtzig Sprüche, der auch Wang Bi folgt, wurde hier beibehalten. Die Überschriften zu den einzelnen Sprüchen, die ebenfalls von Ho-schang-gung herrühren sollen, in der Ausgabe des Wang Bi aber fehlen, wurden, als eine Art Inhaltsverzeichnis, besonders gebracht.
Um auch dem Leser, der mit dem Chinesischen nicht vetrraut ist, einen Einblick in das Wortgefüge des Originaltextes zu geben, wurde jedem Spruch die wörtliche Übersetzung beigefügt. Diese giebt, bis auf ganz wenige Ausnahmen, den chinesischen Text Schriftzeichen für Schriftzeichen wieder.  ...
Der Versuch, die in die Sprüche des Dau Dö Djing eingestreuten gereimten Partien auch im Deutschen durch Reime wiederzugeben, wurde unterlassen, um nicht, und zwar dem bloßen Reim zuliebe, allzu gesuchte Wörter wählen zu müssen und dadurch die Übersetzung des Sinngehalts der einzelnen Sprüche zu gefährden.
Auch bleibt noch zu bemerken, daß das chinesische Wort >dau<, dessen ursprüngliche Bedeutung >Weg< ist, die sich dann im Laufe der Zeit zu >Lauf< oder >Gang der Natur< erweitert hat, und das z.B. von Wilhelm mit >Sinn< und von Rousselle mit >Führung< übersetzt wird, hier mit >Weg< wiedergegeben wurde, weil sich die Bedeutung dieses deutschen Wortes, und zwar als des >Sich-bewegens in einer bestimmten Richtung<, im großen und ganzen mit der des chinesischen >dau< deckt. Für das chinesische Wort >dö<, das z.B. von Wilhelm mit >Leben< und von Rousselle mit >Kraft< wiedergegeben wird, wurde das deutsche Wort >Gesinnung< gewählt, weil seine Bedeutung >sittliche Grundhaltung oder Willensrichtung des Menschen< der von >dö< am nächsten kommt und diese sich auch am ungezwungensten in den Sinnzusammenhang der Gedankenwelt des Lau Dse einfügt."   
                                          (Aus der Vorbemerkung von Jan Ulenbrook)

Jedes einzelne Kapitel wird zuerst Zeichen für Zeichen aus dem chinesischen Urtext übersetzt und daraufhin die endgültige Version des Autors entwickelt. Eine gut gemeinte Idee, um den Urtext noch einmal vor der Interpretation des Übersetzers zu zeigen. Doch leider ist ein solches Verfahren bei chinesischen Texten aufgrund der andersartigen Grammatik und gegenseitiger Wortbezüge kaum möglich. Was die Schriftzeichen beinhalten, ist mit einem deutschen Wort in der Regel nicht auszudrücken. Und so sieht man bei genauerem Hinschauen sehr schnell, dass auch Ulenbrook schon in der Wort-für-Wort-Übertragung stark interpretiert und den gewählten Worten sein Verständnis unterstellt.

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