1961
Tankred
Schneller


Zu Tankred Schneller (*1927) liegen keine biographischen Angaben vor. Er ist der Sohn des Kunstmalers Albert Schneller (*1892, U1970), von dem die Bildbeigaben dieser TaoTeKing-Ausgabe stammen. Im Vorwort werden noch andere Schriften von Tankred Schneller erwähnt (teilweise mit Bildbeigaben von Albert Schneller, der wegen seiner expressionistischen Malweise im Dritten Reich nicht ausstellen durfte), die Auflagen betrugen allerdings mitunter nur 30 Exemplare, so auch bei der vorliegenden TaoTeKing-Version.

Di Sprüche des Lao-Tse Li Pe-Jang. 
Schreiber und Archiwar eines Fürsten des Geschlechts Tshöu später Einsidler in Han-Koan, Kina. Tao-Te-King, di Ban und der rechte Weg oder aus seinem Leben oder für fernünftige stimmende Ansichten, anstatt abergläubischen, ferlogenen.
Dem Sinn nach angegeben – One Gewär - Rechtschreibung nach den Forschlägen der Brüder Grimm – Nachdrukk, gleich in welcher Rechtschr., jederzeit erlaubt.
Herausgegeben im Selbstverlag von Tankred Schneller, Grünwetterbach bei Karlsruhe, Burgweg 3

(Die vollständige Textversion von Tankred Schneller finden Sie
über diesen
Link)

(Die 2. Auflage erschien noch im gleichen Jahr, ohne beigefügte mehrfarbige Handdrucke, dafür aber mit einer Vielzahl von einfarbigen Linolschnitten. Außerdem wurde ein kurzes Vor- und Nachwort in Deutsch, Englisch, Französisch und Latein beigefügt.)

 

"Wegen wörtlicheren Übersetzungen lese man in den derzeitig erhältlichen Ausgaben nach, oder hole sich in den Bibliotheken ältere Ausgaben. Z. B. di hir zu Grunde ligende ... Ich hoffe den Sinn nicht zu ser eingeschränkt, oder gar geändert zu haben.
          Der Schreiber Li Pe-Jang war Son fon Bauern, geboren anscheinend 604 for Kristus. (For ungefär 2500 J.) Er bekam eine "bessere" Ausbildung und kam an einen Fürstenhof. Die Zustände dort waren foller alberner Riten (Forschriften), abergläubischem Unfug, Schwindel und Betrug. Di fon im später in kinesischen Zeichen aufgeschribenen Sprüche sind 81.
          Dise Aufzeichnung hält sich an di Übersetzung des Alexander Ular 1903(?). ("Der kinesischen Urschrift nachgedacht." Gedruckt im Insel-Ferlag, damals zu Leipzig.) (Mit *) (fast) wörtl. n. A. Ular.)

Allgemeines Lerbuch der Unfug- oder Unsinn-
bekämpfung, oder des Lebens in Gemeinschaften.

Wer springt gewinnt, wer zufil schlaft wird ferkaft,
wer Leut hetzt wird abgsetzt.

Schüler brauchen nicht in der Schrift der Brüder Grimm zu
schreiben, da sich der daraus ergebende Ärger nicht lont."

(Aus den Begleittexten)

Es fällt nicht leicht, dieses Werk zu kommentieren und die oben zitierten spärlichen Anmerkungen der Verfassers lassen vielleicht einen der Gründe erkennen. Mit der Einteilung der 81 Sprüche in zwei "Bücher" (1-37 , 38-81) endet auch schon alle Gemeinsamkeit mit anderen deutschen Textausgaben des TaoTeKing. Schneller fasst stets mehrere der durchnummerierten Sprüche mit Überschriften neu zusammen (1-4: Das fernünftige richtige Ferhalten, Tun, Lassen, Fülen, Betrachten, Warnemen, Aufpassen, Denken, Meinen, Forstellen, Empfinden, so, dass man auch zu dem kommt, was man will. 5-14: Di Ferbreitung der rechten Meinung, Ansicht, Gedanken. 15-21: Di alten Lenker der Gemeinschaften, di Entstehung des Unsinns oder di Erzeugung des Unsinns (usf.) und di Widerordner der Gemeinschaften. 22-32: Der Abbau des Falschen und der Aufbau des Richtigen. 33-37: Di Ordner. Das Durch- und Zuendfüren der Widerordnung.) Das 2. Buch wird überschrieben mit: "Wol geschriben weil das 1. Buch oft nicht ferstanden wurde. Erklärungen und nähere Anweisungen für besondere Fälle." Fast alle Sprüche werden in einer sehr umständlichen Art und Weise wiedergegeben und dabei auch gleich weitschweifig (und mit vielen Klammer-Einfügungen) interpretiert. Die Verwendung einer Schreibweise "nach Forschlägen der Brüder Grimm" bleibt völlig unverständlich, erschwert das Lesen beträchtlich und trägt inhaltlich nichts zum Thema bei. Bei den meisten Kapiteln diente die Textvorlage von Alexander Ular nur zur groben Orientierung. Warum Schneller dann bei sechs (ausdrücklich mit einem '*' gekennzeichneten) Kapiteln fast wörtlich den Text von Ular übernimmt, bleibt unklar. In mehreren Sprüchen zeigen sich auch Verständnisfehler gegenüber der Textvorlage, so im 11. und im 50. Spruch. Dass Schneller unter der Vielzahl der zu seiner Zeit bereits vorliegenden deutschen Übertragungen gerade die Textversion von Ular herangezogen hat, die eher zu den schwer lesbaren zählt, scheint dem eigenen, noch schwerer lesbaren Formulierstil von Schneller zu entsprechen.
So verbleibt als Resümee: Einzig aus bibliophiler Sicht eine originelle und seltene Ausgabe des TaoTeKing.

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