1888
Friedrich Wilhelm Noak


(Biographische Angaben liegen nicht vor)

Taòtekking von Laòtsee.
Aus dem Chinesischen von Friedr. Wilh. Noak. 61 Seiten.
Carl Duncker's Verlag (C.Heymons), Berlin 1888

"Der Titel Taòtekking bedeutet: Buch über Gott und Tugend.; das Wort king für Buch ist auszeichnend und besagt so viel wie klassisch. Die Eintheilung in 2 Bücher und 81 Kapitel ist von Laotsee selbst, das erste Buch beginnt mit Gott, das zweite mit Tugend, doch ist eine strenge Scheidung der Materien nicht durchgeführt.
          Laòtsee ist nach der wahrscheinlichsten Annahme im Jahr 604 a. chr. im damaligen chinesischen Lehensstaat Thsu geboren. Mit Eintritt in's männliche Alter verließ er sein Geburtsland, um in kaiserliche Dienste zu treten. Er gelangte als Archivbeamter in der Reichskanzlei zu angesehener Stellung. Im Alter von 90 oder nahezu 90 Jahren zog er sich in's Privatleben zurück, wahrscheinlich in sein Geburtsland, wo er sein Leben in Verborgenheit beschloß.
          Unter seinen Zeitgenossen stand er im Ruf hoher Weisheit, als philosophischer Lehrer ist er jedoch nicht aufgetreten. Auf der Reise in sein Heimatland hielt er bei dem befreundeten Markgrafen von In-hi Rast und schrieb hier auf Bitten des Gastfreundes und zunächst für diesen das Taòtekking nieder. Diese Schrift, kein systematisches Lehrbuch, sondern mehr aphoristisch zusammengestellt, ist also gleichsam das philosophische Testament Laotsee's. Sie gelangte zu hohem Ansehen. Bis auf die Gegenwart immer neu edirt, studirt, von den namhaftesten Gelehrten commentirt, gilt sie als Perle in der überreichen chinesischen Litteratur und gehört nunmehr auch der Weltlitteratur als ein unschätzbares Buch für alle Zeiten an.
          In's Französische übertragen ist das Taòtekking von Stanislaus Julien, in englische Sprache von J. Chalmers. Auf diese Uebersetzungen näher einzugehen, ist hier der Ort nicht. Im Deutschen liegt die gewagte Bearbeitung R. v. Plänkner's vor, eine überfreie Umschreibung und Erweiterung des chinesischen Textes, sodann die Uebersetzung von Victor v. Strauß. Dieser, um unsere Kunde chinesischer Litteratur so verdiente, Gelehrte strebt bei der Uebertragung Laotsee's allerdings Wort- und Sinntreue an, verfehlt aber durch eine befremdliche Verunstaltung der deutschen Sprache eine andere Pflicht des Uebersetzers, und der voluminöse (wenn auch vielfach sehr werthvolle) Commentar ist der Verbreitung im Wege. Eine ächte Uebersetzung kann und muß ohne Commentar bestehen, wenn sie das fremde Geisteswerk der eigenen Sprache wirklich zu eigen machen soll. Dazu aber muß sie nicht blos wort- und sinngetreu sein, sie muß auch den formalen Karakter des fremden Idioms nicht kopiren, sondern in den Styl der eignen Sprache umbilden.
          Eine solche Uebertragung der Schrift des alten chinesischen Weisen wollte der Autor vorliegender Arbeit dem deutschen Publikum bieten; möge sie nun eine freundliche Aufnahme finden." (Vollständiges Vorwort von Friedrich Wilhelm Noak)

Eine frühe, fast unbekannte Übersetzung aus dem Chinesischen. Die Ausgabe ist selbst in Bibliotheken äußerst selten und wird in der Regel bei Fernleihe nur als Kopie versandt.
Präsenzbestand:
                Niedersächsische
                                         Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
                                         Signatur: 8 PHIL VI, 987

Noak verwendet durchweg den Gottes-Begriff für die Wiedergabe des Tao und fasst die Übersetzung recht frei, mit Einschüben von Versen, zu denen er in seiner einzigen Fußnote anmerkt: "Die eingestreuten Gedicht-Fragmente sind Citate aus volksthümlichen didaktischen Versen, mit welchen die Schriftsteller schon damals, wie noch heute, ihre Prosa zu durchflechten und zu erklären liebten." Ohne jede weitere Anmerkung zur eigenen Übersetzungsarbeit, zu Feinheiten oder Besonderheiten und ohne jede Erwähnung in Werken anderer Sinologen bleibt dieses 61 Seiten dünne Heftchen ein Werk von fraglicher Authentizität.
  

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