2003
Stephen Mitchell


Stephen Mitchell wurde 1943 in New York geboren und studierte am Amherst College sowie an den Universitäten von Paris und Yale. 14 Jahre lang befasste er sich mit Zen-Philosophie. Er ist Autor und hat zahlreiche Klassiker, darunter Rilke, ins Amerikanische übertragen.

LAOTSE. TAO TE KING. 
Eine zeitgemäße Version für westliche Leser.
Wilhelm Goldmann Verlag, München 2003
ISBN 3-442-21628-1
(Originalausgabe New York 1988)

Die Übersetzung der amerikanischen Originalausgabe besorgte Peter Kobbe - so dass man die vorliegende deutsche Textversion streng genommen als sein Werk ansehen müsste.

(Die vollständige Textversion von Stephen Mitchell
finden Sie über diesen
Link)

"Zu meiner Arbeitsweise: Grundlage war Paul Carus' wörtliche Übersetzung, die neben jedem einzelnen chinesischen Ideogramm englische (oft sehr verwunderliche) Entsprechungen bietet. Außerdem habe ich Dutzende von Übersetzungen ins Englische, Deutsche und Französische herangezogen. Aber die wesentlichste Vorbereitung für meine Arbeit war eine vierzehn Lehrjahre umfassende Zen-Übungspraxis, die mich in unmittelbare Berührung mit Laotse sowie seinen wahren Schülern und Erben, den frühen chinesischen Zenmeistern, brachte.
Bei großer Poesie ist die freieste Übersetzung manchmal die genaueste ( ...)
          Ich habe häufig ziemlich wörtlich übersetzt - oder eben so wörtlich, wie es bei einem so subtilen, vielschichtigen Buch wie dem Tao Te King möglich ist. Aber ich habe auch paraphrasiert, erweitert, zusammengezogen, gedeutet, mit dem Text gearbeitet, damit gespielt, bis er schließlich eine sprachliche Form annahm, die mir genau richtig vorkam. Falls ich nicht immer Laotses Worte übersetzt habe, so wollte ich doch stets das von ihm Gemeinte, seine Intention übersetzen."
                                                          (Aus dem Vorwort von Stephen Mitchell)

          "Es gibt mehrere Passagen im Tao Te King, in denen ein viel beschränkteres Bewußtsein am Werk ist als in den übrigen Teilen des Buches. Diese Passagen sind möglicherweise spätere Einfügungen (manche befassen sich mit Unsterblichkeit, einem zentralen Anliegen des späteren magischen Taoismus). Oder vielleicht litt der alte Knabe an den Tagen, an denen er sie verfasste, unter Magenverstimmung. Da ich es aber als meine Aufgabe ansah, den eigentlichen Geist von Laotse wiederzuerschaffen, konnte ich sie nicht guten Gewissens in diese Version mit aufnehmen. Stattdessen habe ich das jeweilige Grundthema der betreffenden Passagen frei umformuliert und war dabei stets bemüht, innerhalb des Bewusstseins und der Sprache des Haupttextes zu bleiben. Für die Wissbegierigen habe ich wortwörtliche Übersetzungen in diese Anmerkungen mit aufgenommen."
                            (Aus dem Kommentar zum 50. Kapitel von Stephen Mitchell)

Der letzte Abschnitt mag etwas unehrerbietig und schnodderig klingen - doch die vorgelegte Übertragung ist es nicht. Mitchells eigene Zen-Erfahrung prägt den Text und passt zum nachdenklich-meditativen Grundtenor des Daodejing. Auch wenn er sich (besonders beim 50. Kapitel) einige Freiheiten nimmt und manches Gleichnis aktualisiert, so trifft dies doch stets "den eigentlichen Geist von Laotse".
    

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