2005
Heinz Klein


(*1943) Studierte Kunst an der Akademie in Brüssel. Er war vier Jahre Dozent an der Hochschule für chinesische Kultur in Taipei/Taiwan und studierte dort die chinesische Sprache. Beim Studium der Sinologie war sein Fachgebiet die chinesische Medizin, worüber er promovierte.

Laotse. TAO TE KING.
Verlag Zeitenwende, Dresden. 111 Seiten.
ISBN 3-934291-30-9

"Kein anderes Buch der chinesischen Tradition wurde so oft in westliche Sprachen übersetzt wie das TAO TE KING. Vergleicht man die verschiedenen Übersetzungen miteinander, so divergieren sie an den wesentlichsten Stellen der Verssammlung. Ist dies auf die Unfähigkeit der Übersetzer zurückzuführen? Mit Sicherheit nicht, denn selbst in der Vielzahl der chinesischen Kommentare zum TAO TE KING finden sich ebenso viele Divergenzen. Ein chinesischer Schriftgelehrter und Kommentator ist auch kein Garant für eine richtige Deutung der Verse. Der Grund für die weit auseinandergehenden Ansichten zum Textinhalt muß auf einer anderen Ebene gesucht werden. (...)
          Chinesische Zeichen sind nicht flektierbar; sie bleiben Zeichen und decken vom Bild- und Sinninhalt her ein immenses Bedeutungsfeld ab. (...) Wie jeder Übersetzer altchinesischer Texte zugeben wird, sind es die festgelegten Begriffe der westlichen Sprachen, die den Inhalt der chinesischen Zeichen nur unvollständig wiedergeben. (...)
          So gesehen sind alle erschienenen Übersetzungen richtig, insofern man sich der Bewußtseinsebene des Übersetzers anschließen kann. Die Chinesen wussten von der Einheit des Seins. Mit diesen genialen Zeichen wurden andeutungsweise Richtlinien gegeben, aber keine Trennungslinien zwischen den verschiedenen Teilen der [exoterischen und esoterischen] Manifestation geschaffen. So versteht jeder einen chinesischen Text aus dem frühen China auf der Ebene, auf der er sich befindet. Es läßt sich daher endlos um die Richtigkeit einer Übersetzung streiten. Einem westlichen Sucher ist damit aber nicht geholfen. Einem Sucher kann somit nur nahegelegt werden, der Übersetzung zu folgen, die in ihm eine Resonanz auslöst."
                                                                     (Aus dem Vorwort des Verfassers)

Das Vorwort zeugt von einem einfühlsamen Verständnis für eine angemessene Herangehensweise an den Text des Tao Te King. Als Mediziner zeigt der Verfasser auch Parallelen zwischen der äußeren und der inneren (körperlichen) Welt des Menschen auf (siehe auch seine Publikation: "Medizin und Alchemie").
 

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