1988
John Heider


"Dr. phil. John Heider studierte orientalische Sprachen und Kultur in Harvard. An der Duke University promovierte er zum klinischen Psychologen, seine Dissertation befasste sich mit der Wirkung der Meditation auf das Wahrnehmungsvermögen. Später bildete er sich als klinischer Psychologe am Esalen-Institut in Big Sur, Kalifornien, weiter, wo er u. a. auch Ausbildungsprogramme mitentwickelte. Ist [1988] Direktor der Human Potential Scholl in Mendocino." [Klappentext des Bucheinbandes]

Tao der Führung. Laotses Tao Te King für eine neue Zeit.
Sphinx Verlag, Basel
Mit zahlreichen Abbildungen. 187 Seiten 
ISBN 3-85914-180-5

Die Übersetzung der amerikanischen Originalausgabe besorgte René Taschner.


          "Bei meiner Arbeit als Lehrer war mir das Tao Te King stets ein unerläßliches Hilfsmittel bei Seminaren mit Gruppenleitern, Psychotherapeuten und Pädagogen. (...) Die erfolgreiche Arbeit mit dem Tao Te King ließ mich dessen breitere Anwendungsmöglichkeiten erkennen, insbesondere im Hinblick auf eine neue Generation, die von Führungsaufgaben und dem umsichtigen Einsatz menschlicher Kräfte und Talente fasziniert ist. Ich glaube, daß die vorliegende Bearbeitung jedem dienlich sein wird, der eine führende Stellung innerhalb der Familie oder einer Gruppe, Kirche, Schule, im Beruf, Militär, in der Politik oder Verwaltung innehat oder anstrebt. (...)
          Ich beherrsche die chinesische Sprache nicht; die vorliegende Bearbeitung entstand aufgrund zahlreicher Übersetzungen, die ich so lange miteinander verglich, bis sich die scheinbaren Widersprüche für mich geklärt hatten. Danach las ich die eine oder andere Übersetzung meinen Schülern vor. (...) Meine Bearbeitung des Tao Te King entstand im Verlauf dieser Klassenarbeit: es handelt sich somit um eine persönliche Auslegung von Laotses Worten." 
  (Aus der Einführung von John Heider)

Eine sehr persönliche Bearbeitung des TaoTeKing, der es nicht um eine konkrete Übersetzung des Originaltextes geht, sondern um eine frei formulierte und auf die Zielgruppe der Führungskräfte abgestellte Interpretation.
          Heider ersetzt TAO oft durch den Gottesbegriff: "Gott dient jenen, die ihm dienen"; "Tao ist Gott"; "Ich kann Gott erfahren"; "Füge dich dem Gesetz Gottes, es bestimmt ohnehin alles." Auch wenn der Gottes-Begriff hier weiter gefasst und verstanden ist, als jener alte Herr mit Bart hoch droben, so werden damit doch persönliche Bilder des Verfassers vermittelt, die thematisch unnötig sind und den persönlichen Zugang des Lesers vielleicht sogar eher behindern.
          Gewöhnungsbedürftig ist auch, wenn Heider den Begriff des 'Weisen' durch den 'Gruppenleiter' ersetzt und dann aber trotz dieses Bedeutungssprungs die klassischen Bilder und Formulierungen des TaoTeKing beibehält: "Der Gruppenleiter ist anpassungsfähig wie das Wasser (...) der kluge Gruppenleiter dient den anderen und lebt verhältnismäßig wunschlos (...) Der Gruppenleiter handelt zum Wohle aller; er verrichtet seine Arbeit gut, ungeachtet der Entlöhnung." Das wirkt spontan wie eine Verballhornung.
          Wer den klassischen Text des TaoTeKing wertschätzt, fragt sich nach der Lektüre ohnehin, warum Heider für seine Aussagen überhaupt das TaoTeKing bemüht. Böse Zungen könnten da behaupten, die Verbindung mit dem berühmten chinesischen Werk würde in erster Linie dazu dienen, ganz allgemeine und unspektakuläre Erkenntnisse der Führungspsychologie und Gruppendynamik publikumswirksam aufzuwerten und erst so vermarktbar zu machen. Nach gleichem Strickmuster ließen sich dann beliebig viele andere 'Ratgeber' entwerfen, z.B. 'TAO der Erziehung' oder 'TAO des Autoreparierens'.
  

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