1932
Robert Brasch


(Biographische Angaben liegen nicht vor)

LAO TSE , TAO TE KING
Das Buch vom rechten Weg und Sinn.
Nachdichtung von Robert Brasch.
Saturn Verlag, Wien 1932. 96 Seiten.

"Das Tao-te-king ist in Rhythmen geschrieben, in Versen, wenn wir es nicht nur in die Sprache unserer Zunge, sondern auch unseres Herzens übersetzen wollen: denn das unmittelbare Erlebnis wird dem Abendländer erst möglich, wenn die Worte im Gewande gewohnter Poesie erscheinen. Und so erst wird die Übersetzung im wahrsten Sinne eine vollständige, wie auch - vor allem - eine verständliche.
          Was die Art und Weise der Nachdichtung betrifft, so geschah sie nicht nach dem Original, wohl aber nach eingehendem Vergleich und Studium der erreichbaren Übersetzungen, wobei auf Treue zum Wort möglichst viel Gewicht gelegt wurde. Vorwiegend benützt wurden die Übersetzungen von Alexander Ular, J.G.Weiß, Richard Wilhelm und Carl Dallago.
          Vielleicht erfordert es eine Rechtfertigung, daß das Wort Tao unübersetzt gelassen wurde. Aber kein deutsches Wort, sei es nun "Bahn", "Sinn", "Anschluß", "höchstes Wesen" drückt mehr als einen Teil von der Vielfalt dessen aus, was Tao bedeutet, außerdem verknüpft sich mit diesen Worten schon ein bestimmter Sinn, der sich schwer mit der Vorstellung des Tao verbinden kann; so daß jedes dieser Wörter ein Prokrustesbett für das unübersetzbare Urwort ist. Wohl aber kann es, wie so viele griechische, in eigenster Bedeutung in einem neuen Begriff unserer Sprache und unseren Gedankenkreis bereichern. Wogegen das zweite Titelwort "Te" übersetzt wurde: und zwar in seiner moralischen Erscheinungsform als "Tugend", in seiner physischen als "Natur". Te ist kein Urbegriff, ist erst von Tao abgeleitet, ist die Form, in der Tao erscheint, ein Teil seines Wesens. Darum haben schon viele Übersetzer es ebenso gehalten, daß sie Tao als Wort beließen, jedoch Te übersetzten. Wobei aber hier die Starrheit, es immer mit dem gleichen Wort zu übertragen (z.B. "Leben" bei Wilhelm), fallengelassen wurde - obwohl im Grunde nach taoistischer Anschauung das Natürliche auch das Sittliche ist. Aber im Deutschen fehlt dafür das gemeinsame Wort. Unter vielfältigen Namen wurde auch der "Hohe Mensch", der "Vollendete" genannt, so als "Weiser", "Edler", schließlich aber als "höherer Mensch", womit gesagt sein soll, daß er sich dem Gipfel erst nähert, ihn noch nicht erreicht hat, was deutlich aus verschiedenen [Text-]Zusammenhängen hervorgeht, womit aber vor allem die statische Auffassung sich in eine kinetische, dynamische verwandelt. ..."
                                                       (Aus dem Vorwort von Robert Brasch)

Egal wie man es 1932 gesehen haben mag, heute wirkt die Reimform doch ziemlich gesucht und bei der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Text eher störend. Und vielleicht mag es an den vier ausgewerteten Vorlagen liegen (von denen ja wiederum zwei auch nur "Nachdichtungen" waren), dass wenig Originäres in dieser Übertragung zu finden ist.
  

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