1949
Rudolf Backofen


(Biographische Angaben liegen nicht vor)

LAO-TSE. TAO-TE-KING.
Textgestaltung und Einführung: Rudolf Backofen
Hrsg.: Werner Zimmermann.
Verlag Fankhauser, Thielle/Neuch. (Schweiz) 1949

(Die vollständige Textversion von Rudolf Backofen
finden Sie über diesen
Link)



          "Es mag fast ein halbes Hundert deutsche Fassungen des Tao-Te-King von Lao-Tse geben. Nur wenige davon beruhen auf Uebersetzungen aus dem Chinesischen, die meisten stellen mehr oder weniger persönlich geprägte Nach- dichtungen auf  Grund der Uebersetzungen dar.
          Die Philologen sind über die Vielzahl der Nachdichtungen entsetzt. Sie selbst wagen es als Sinologen kaum, eine Uebersetzung anzufertigen; denn wohl bei keinem Text der religiösen Weltliteratur macht eine Uebersetzung und eine gute, sinnerschliessende Uebertragung ins Deutsche so viele Schwierigkeiten: Es steht kein Urtext zur Verfügung. Inwieweit die vorhandenen frühesten Fassungen mit Lao-Tses Tao-Te-King übereinstimmen, wird nie mehr entschieden werden können. Dazu kommt, dass die ältesten bekannten Texte zu den frühesten Formen der chinesischen Schriftsprache gehören und dass die Vieldeutigkeit der chinesischen Bildsprache an sich schon verschiedene und zum Teil entgegengesetzte Uebersetzungsmöglichkeiten zulässt. Dies alles ist dem Verfasser, der sich selbst eingehend mit der chinesischen Religionsgeschichte befasst hat, wohl bekannt. Aber er weiss auch ein anderes.
          Wer zu Lao-Tse greift, der will von dem Geiste dieses Mannes ergriffen werden, und zwar von dem zeitlos gültigen Geist, der einst in ihm Gestalt gewann. Es kommt dem Suchenden dabei nicht so sehr darauf an, dass er alle sprachlichen Besonderheiten, alle verborgenen Feinheiten und alle Gedankengänge voll erfassen kann; er will nur jenem seltsamen Drängen des nach letzter Wahrheit ringenden Geistes nachgeben, das ihn eben zu den "alten Meistern" treibt, gleichgültig, wann und wo sie gelebt haben. In Lao-Tse aber begegnet ihm das chinesische Menschenturn in seiner erhabensten und tiefgründigsten Gestalt. ... Man kann und darf nicht an den grossen Menschen des Ostens vorübergehen. Denn diese Männer haben viel mehr um das innerste Wesen des Menschen und der Welt gerungen, als viele Denker des Abendlandes.
          Wenn der Verfasser nach Vergleich der deutschen, der wichtigsten fran- zösischen, englischen und amerikanischen Uebersetzungen trotz der Bedenken der Philologen versucht, eine eigene Fassung des Tao-Te-King zu geben, so bewog ihn der Gedanke, den ehrlich um religiöse Wahrhaftigkeit ringenden Menschen der Gegenwart eine sprachlich flüssigere und inhaltlich leichter verständliche Form des Tao-Te-King zu geben, eine Form freilich, die zugleich den Blick in die Tiefen der Weisheit Lao-Tses offen lässt. AlsWissenschaftler steht er in Dankbarkeit vor dem Werk der Sinologen, auf dem seine Arbeit ruht, als religiöser Mensch in Ehrfurcht vor dem Geiste Lao-Tses."
                                           (Vorwort von Rudolf Backofen)

Eine sehr tiefgehende und ausführliche Auseinandersetzung mit dem TaoTeKing und eine oft freie, dafür aber ebenso oft recht treffende Übertragung des chinesischen Textes. Der Verfasser widmet sich in der Auslegung und Interpretation den philosophischen Grundlagen des TaoTeKing. Besonders das Schlusskapitel "Lao-Tse und sein Werk" bietet eine beachtliche Gesamtschau. Insofern eine der wesentlichsten deutschen TaoTeKing-Ausgaben und eine schöne Ergänzung zur Publikation von K. O. Schmidt.
 

Neuausgabe: Laotse. Tao Te King.
Text und Einführung: Rudolf Backofen.
Drei Eichen Verlag, München/Engelberg(Schweiz) 1970

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