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Was sich noch friedlich verhält, kann leichter gebändigt werden;
was noch in den Anfängen steckt, ist leichter zu lenken;
was noch schwach ist, kann leichter geformt werden;
und was noch nicht eingetreten ist, dem kann leichter vorgebeugt werden.
Deshalb sollte man schon früh bedenken, was später kommen kann,
und rechtzeitig vorsorgen, bevor es zu spät ist.

Auch der größte Baum ist anfangs nur ein kleiner Sproß;
ein neunstöckiger Turm besteht zu Beginn nur aus wenigen Steinen
und jede Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt.

Wer rein egoistisch handelt, wird letztendlich doch scheitern;
wer immer nur nimmt, wird doch verlieren.
Weil der Weise persönlich nichts will, mißlingt ihm auch nichts;
weil er nichts festhält, kann er auch nichts verlieren.

Die Menschen meinen immer, ihr Tun wäre erfolgreich
und doch haben sie letzlich nichts Bleibendes erreicht.
Würden sie von Anfang an auch das Ende begreifen, so würde ihnen das viel helfen.
Der Weise ist wunschlos und strebt nicht nach dem,
was andere allgemeinhin als erstrebenswert ansehen.
Er übt sich in dem, worum sich andere nicht kümmern
und vervollkommnet sich in dem, was die Menschen verloren haben,
indem er den natürlichen Lauf der Dinge zulässt und nicht dagegen verstößt.

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