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Das ideale Verhalten ist selbstlos, deshalb nennen wir es eine Tugend.
Was jedoch allgemein unter Tugend verstanden wird, ist bewußt tugendhaft,
d.h. man achtet darauf, tugendhaft zu sein.

Ideales Verhalten handelt absichtslos, aus sich heraus.
Die allgemeine Tugend handelt sehr bewußt, um ihretwillen.
Humanität handelt bewußt, um der Sache willen.
Rechtsprechung handelt, um eines Prinzips willen.
Und Moral verlangt schließlich sogar, daß man sich ihr unterwirft.

Ist TAO nicht zu erlangen, so bleibt doch edles Verhalten;
geht das edle Verhalten verloren, so ergibt sich Humanität;
geht auch die Humanität verloren, bleibt Rechtsprechung übrig,
und geht auch die noch verloren, kommt es schließlich zu irgendeiner Moral.
Moral ist somit nur noch ein Abglanz von edlem Verhalten
und damit eher etwas Negatives.

Deshalb folgt der Weise seiner inneren Stimme und nicht äußeren Geboten.
Er hält sich an seine Innerlichkeit, nicht an Äußerlichkeiten.
Dem Inneren folgt er. Das Äußere läßt er.
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