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Erst mit der Vorstellung von schön schaffen wir auch ein häßlich.
Erst aus der Festlegung des Guten ergibt sich das Gegenteil des Bösen.

So erschafft allein der Mensch die Gegensätze in der Welt.
Ein schwer entsteht aus leicht, lang aus kurz, hoch aus tief;
Manche Töne erscheinen harmonisch, andere deswegen nicht;
die Vorstellung eines vorher erzwingt ein nachher.

Der Weise begreift das Relative in allem und beurteilt nichts.
Er nimmt die Zustände hin, wie sie sich ihm zeigen.
So ist er tätig, ohne sich seinem Tun zu verschreiben,
so bewirkt er, ohne es gezielt zu wollen,
so erreicht er, ohne es bewußt anzustreben.

Und weil es ihm nicht darauf ankommt,
gibt es für ihn auch kein Nicht-Ankommen, kein Mißlingen oder Versagen.

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